Nach 1000 Wiederholungen bist du Meister deiner Präsentation!

Das kann ich mittlerweile von mir behaupten und mich aus einem schier unerschöpflichen Pool rhetorischer Tricks und Kniffe bedienen.

Als echter „Rhetorik-Guru“ habe ich deshalb auch kein Problem damit, die Spannung meines Auditoriums regelmäßig auf die Spitze zu treiben. Sind den meisten Präsentierenden Sprechpausen von mehr als 2 Sekunden schon eine Qual, weite ich diese gerne auf 10 Sekunden und mehr aus. Ich genieße die erwartungsvolle Aufmerksamkeit und bade routiniert in der aufgeladenen Atmosphäre.

Eins ist klar, Routine gibt Sicherheit. Sie kann aber auch trügerisch sein.

Wie meine ich das?

Letztens habe ich mit Kerstin gesprochen. Sie war Gast in 2 verschiedenen Vorträgen von mir. Als wir im Anschluss so plaudern, meint Kerstin:” Ich fand ehrlich gesagt deinen Einstieg heute viel besser als letztes Mal.“

„Kannst du mir sagen, was dir besser gefallen hat?“, frage ich Kerstin interessiert.

„Hm, ich weiß nicht. Du warst irgendwie näher heute. Genau kann ich es nicht beschreiben, es ist eher ein Gefühl.“

Ich bin etwas irritiert, aber ja, mein Einstieg war heute etwas anders. Ich wollte mal was Neues ausprobieren, war selbst aber eher nicht so zufrieden.

Zu Hause angekommen möchte ich der Sache auf den Grund gehen. Aufzeichnungen meiner Vorträge und der Austausch mit einem Coach sollen mir Antworten liefern.

Auf den ersten Blick ist mein mit den Jahren perfekt ausgeklügeltes Einstiegsszenario technisch viel besser als die „ich probier heut mal was aus“ Variante. Allerdings schafft der formvollendete Routineeinstieg tatsächlich eine gewisse Distanz. Unterbewusst stellt mich das Publikum gleich zu Beginn auf einen Sockel. Automatisch kommen Gedanken hoch, wie „das könnte ich nicht“ oder „so gut werde ich nie“. Meine Routine wird zur Kluft, die statt der gewünschten Nahbarkeit ein Gefühl der Unerreichbarkeit auslöst. Wenn ich auf dem Sockel stehe, bin ich mit dem Auditorium nicht mehr auf Augenhöhe.

Erkenntnisse und Tipps, um der Routine ein Schnippchen zu schlagen!

  • Verlasse den „täglich grüßt das Murmeltier“ Modus und strukturiere deinen Einstieg immer ein wenig anders. Beim Storytelling kannst du zum Beispiel, bei der gleichen Story, mal mit dem Datum, mal mit der Zeit oder auch dem Ort beginnen.
  • Frage dich nicht, wie du noch toller wirst, sondern was du deinem Auditorium geben kannst.
  • Bleibe demütig und erkenne, ein perfekter Auftritt ist nicht alles. Denn je nahbarer du bist, desto mehr Wissen gibst du weiter.
  • Prüfe dich immer wieder selbst und hol dir Feedback ein, um kontraproduktive Routinen zu erkennen und zu verändern.

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